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Schlagwort: Weihnachten

Ein Jahr und neun Tage.

 Der 6. Dezember mausert sich zum Feiertag: Vor zwei Jahren stieg an besagtem Datum die Releaseparty für Lesen Sie weiter

Jetzt sag ich halt auch mal was.

Ist Weihnachten schon entschieden?! Wer hat denn das Spiel gepfiffen?

Bisher sah ich keine Notwendigkeit, mich zu der aktuellen Diskussion zu äußern: Eine landesweit bekannte Elektronikmarktkette macht mal wieder laute Werbung und die Kirchen und Christen rufen zum Boykott auf. Diese Antihaltung kennt man ja von uns Christen. Immer schön die anderen auf ihren Splitter im Auge aufmerksam machen. By the way: Man muss kein Christ sein, um diese Werbung Banane zu finden …

Nun fragte mich diese Woche die Katholische Nachrichten-Agentur nach meiner Meinung zu diesem leidigen Thema. Warum gerade mich? Ach darum. Okay. Im kurzen Interview gab ich also spontan meine Sicht der Dinge zum Besten. Und nun geht mir doch so manches durch den Kopf, was ausformuliert werden will.

Also, wie ist das jetzt von wegen „Weihnachten wird unterm Baum entschieden“? Wer mich kennt, weiß, ich bin bekennender Weihnachtsmuffel. Was nicht heißt, dass ich der Meinung wäre, dieses weltbewegende Ereignis wäre kein Grund zum Feiern. Ich finde aber, dass wir daran vorbei feiern. Und zwar nicht erst dieses Jahr. Besagte Werbung bringt genau das auf den Punkt, was ich –  alle Jahre wieder – einfach nur daneben finde.

Ja, stimmt doch, Weihnachten wird unterm Baum entschieden: Wie das Fest in diesem Jahr verlaufen wird (mit Weihnachten ist in der Werbung der konkrete Termin am 24.12.2011 und nicht der von vor 2011 Jahren gemeint, liebe aufgebrachte Christenheit), also wie die Stimmungslage an Heilig Abend in den Wohnzimmern sein wird, liegt nicht unentscheidend daran, was unterm Baum vorzufinden ist. Ja, in vielen Haushalten ist für den reibungslosen Verlauf der Festlichkeit durchaus entscheidend, wie viele und wie teure Geschenke unterm Baum liegen, ob es überhaupt einen Baum gibt, ob selbiger richtig geschmückt ist, der Braten, die Wurst oder der Kartoffelsalat wie alle Jahre wieder daherkommt, Lieder gesungen werden oder Schweigen, Einsamkeit oder Streit herrscht, ob Blockflöte oder Posaunenchor bemüht oder ob die ewig alte Familien-Tradition auch haargenau eingehalten wurde und vor allem ob es schneit oder nicht.

Nein, natürlich wird Weihnachten nicht unterm Baum entschieden: Weil wir an diesem Fest nicht den heiligen Tannenbaum feiern, weil dieses Ereignis, das wir mit Weihnachten feiern, alles andere als die Verherrlichung des Konsums im Mittelpunkt hat. Weil … ach, zu Weihnachten gäbe es so viel zu erzählen. Alles, nur nicht die ewig gleiche alte Leier.

Die Geschichte kann auf 1.000 andere Arten erzählt werden. Hier ist ein Versuch und hier noch einer. Es gäbe viele Möglichkeiten, unsere Gesellschaft wieder auf die richtige Spur von Weihnachten zu setzen. Meines Erachtens, sind Boykottaufrufe allerdings der falsche Ansatz.

Die Werbung, die zur Zeit die Gemüter erregt, sagt am Ende nur klar, wo der Hase im Pfeffer liegt – oder vielmehr der Weihnachtsmann im Kamin stecken bleibt. Sie befördert ungeschminkt ans Tageslicht, was in so manchen Wohnzimmern in diesen Tagen los ist oder vielmehr sein wird. Andere Firmen, zu deren Boykott aktuell nicht aufgerufen wird, setzen mit ihrer Werbung am Ende genauso auf den allgegenwärtigen Geschenkewahn.

Und überhaupt, was sagt uns der Boykott? Kauft nie mehr bei besagtem Elektromarkt? Oder: Kauft zumindest keine Weihnachtsgeschenke in diesem Laden? Oder: Kauft die Weihnachtsgeschenke in einem anderen Geschäft, das zwar keine so blöde Werbung ins Land ballert, aber unterm Strich Weihnachten auch nur als große Einnahmequelle versteht?

Und der Gegenclaim: „Weihnachten wird in der Krippe entschieden.“ Sorry, Leute! Weihnachten wurde sicher nicht vor 2011 Jahren entschieden. Weihnachten ist nicht dieses ewiggestrige Ereignis, als das es auch die Kirchen gern immer wieder zelebrieren. Weihnachten ist jedes Jahr (noch besser: jeden Tag!) topaktuell. Wenn wir uns schon an das erinnern, was damals geschah, sollten wir es auf dem realen Boden der heutigen Wirklichkeit tun. An Weihnachten wird die Hoffnung geboren – Weihnachten wurde ein Licht angezündet, das Ausblick gibt auf ein besseres Morgen und nicht auf ein beschauliches Gestern. Wenn Weihnachten irgendwo entschieden wird, dann in unseren Herzen. Heute.

Meine spontane Aussage im Interview mit der KNA: Lasst uns Weihnachten verlegen und nochmal bei Null anfangen … ist vielleicht gar keine so doofe Idee. Die Weihnachtsuhr ist nur schwer zurückzudrehen: Weihnachten, wie es allüberall am 24.12. gefeiert wird, werden wir nicht mal so eben über den Haufen werfen können. Aber die Kernaussage von Weihnachten könnten wir durchaus mal zum Thema machen. Und zwar lieber dann, wenn nicht alle Welt unter Feiertagsstress stöhnt.

Das Fazit, auf das Focus online kommt, finde ich gar nicht so schlecht:
„So wirkt die ganze Entrüstung, als werde auf den Sack geschlagen, aber der Esel sei gemeint. Die Kirchen hatten es bisher nicht vermocht, eine gesellschaftliche Diskussion über den eigentlichen Sinn und den weit verbreiteten Unsinn rund ums Weihnachtsfest in Gang zu bringen. Das hat ihnen jetzt der Elektronikriese abgenommen.“

PS: Zum Thema alternative Geschenkideen fernab vom Konsumterror gibt es hier ein paar ganz schöne Anregungen.

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