
Bisher sah ich keine Notwendigkeit, mich zu der aktuellen Diskussion zu äußern: Eine landesweit bekannte Elektronikmarktkette macht mal wieder laute Werbung und die Kirchen und Christen rufen zum Boykott auf. Diese Antihaltung kennt man ja von uns Christen. Immer schön die anderen auf ihren Splitter im Auge aufmerksam machen. By the way: Man muss kein Christ sein, um diese Werbung Banane zu finden …
Nun fragte mich diese Woche die Katholische Nachrichten-Agentur nach meiner Meinung zu diesem leidigen Thema. Warum gerade mich? Ach darum. Okay. Im kurzen Interview gab ich also spontan meine Sicht der Dinge zum Besten. Und nun geht mir doch so manches durch den Kopf, was ausformuliert werden will.
Also, wie ist das jetzt von wegen „Weihnachten wird unterm Baum entschieden“? Wer mich kennt, weiß, ich bin bekennender Weihnachtsmuffel. Was nicht heißt, dass ich der Meinung wäre, dieses weltbewegende Ereignis wäre kein Grund zum Feiern. Ich finde aber, dass wir daran vorbei feiern. Und zwar nicht erst dieses Jahr. Besagte Werbung bringt genau das auf den Punkt, was ich – alle Jahre wieder – einfach nur daneben finde.
Ja, stimmt doch, Weihnachten wird unterm Baum entschieden: Wie das Fest in diesem Jahr verlaufen wird (mit Weihnachten ist in der Werbung der konkrete Termin am 24.12.2011 und nicht der von vor 2011 Jahren gemeint, liebe aufgebrachte Christenheit), also wie die Stimmungslage an Heilig Abend in den Wohnzimmern sein wird, liegt nicht unentscheidend daran, was unterm Baum vorzufinden ist. Ja, in vielen Haushalten ist für den reibungslosen Verlauf der Festlichkeit durchaus entscheidend, wie viele und wie teure Geschenke unterm Baum liegen, ob es überhaupt einen Baum gibt, ob selbiger richtig geschmückt ist, der Braten, die Wurst oder der Kartoffelsalat wie alle Jahre wieder daherkommt, Lieder gesungen werden oder Schweigen, Einsamkeit oder Streit herrscht, ob Blockflöte oder Posaunenchor bemüht oder ob die ewig alte Familien-Tradition auch haargenau eingehalten wurde und vor allem ob es schneit oder nicht.
Nein, natürlich wird Weihnachten nicht unterm Baum entschieden: Weil wir an diesem Fest nicht den heiligen Tannenbaum feiern, weil dieses Ereignis, das wir mit Weihnachten feiern, alles andere als die Verherrlichung des Konsums im Mittelpunkt hat. Weil … ach, zu Weihnachten gäbe es so viel zu erzählen. Alles, nur nicht die ewig gleiche alte Leier.
Die Geschichte kann auf 1.000 andere Arten erzählt werden. Hier ist ein Versuch und hier noch einer. Es gäbe viele Möglichkeiten, unsere Gesellschaft wieder auf die richtige Spur von Weihnachten zu setzen. Meines Erachtens, sind Boykottaufrufe allerdings der falsche Ansatz.
Die Werbung, die zur Zeit die Gemüter erregt, sagt am Ende nur klar, wo der Hase im Pfeffer liegt – oder vielmehr der Weihnachtsmann im Kamin stecken bleibt. Sie befördert ungeschminkt ans Tageslicht, was in so manchen Wohnzimmern in diesen Tagen los ist oder vielmehr sein wird. Andere Firmen, zu deren Boykott aktuell nicht aufgerufen wird, setzen mit ihrer Werbung am Ende genauso auf den allgegenwärtigen Geschenkewahn.
Und überhaupt, was sagt uns der Boykott? Kauft nie mehr bei besagtem Elektromarkt? Oder: Kauft zumindest keine Weihnachtsgeschenke in diesem Laden? Oder: Kauft die Weihnachtsgeschenke in einem anderen Geschäft, das zwar keine so blöde Werbung ins Land ballert, aber unterm Strich Weihnachten auch nur als große Einnahmequelle versteht?
Und der Gegenclaim: “Weihnachten wird in der Krippe entschieden.” Sorry, Leute! Weihnachten wurde sicher nicht vor 2011 Jahren entschieden. Weihnachten ist nicht dieses ewiggestrige Ereignis, als das es auch die Kirchen gern immer wieder zelebrieren. Weihnachten ist jedes Jahr (noch besser: jeden Tag!) topaktuell. Wenn wir uns schon an das erinnern, was damals geschah, sollten wir es auf dem realen Boden der heutigen Wirklichkeit tun. An Weihnachten wird die Hoffnung geboren – Weihnachten wurde ein Licht angezündet, das Ausblick gibt auf ein besseres Morgen und nicht auf ein beschauliches Gestern. Wenn Weihnachten irgendwo entschieden wird, dann in unseren Herzen. Heute.
Meine spontane Aussage im Interview mit der KNA: Lasst uns Weihnachten verlegen und nochmal bei Null anfangen … ist vielleicht gar keine so doofe Idee. Die Weihnachtsuhr ist nur schwer zurückzudrehen: Weihnachten, wie es allüberall am 24.12. gefeiert wird, werden wir nicht mal so eben über den Haufen werfen können. Aber die Kernaussage von Weihnachten könnten wir durchaus mal zum Thema machen. Und zwar lieber dann, wenn nicht alle Welt unter Feiertagsstress stöhnt.
Das Fazit, auf das Focus online kommt, finde ich gar nicht so schlecht:
„So wirkt die ganze Entrüstung, als werde auf den Sack geschlagen, aber der Esel sei gemeint. Die Kirchen hatten es bisher nicht vermocht, eine gesellschaftliche Diskussion über den eigentlichen Sinn und den weit verbreiteten Unsinn rund ums Weihnachtsfest in Gang zu bringen. Das hat ihnen jetzt der Elektronikriese abgenommen.“
PS: Zum Thema alternative Geschenkideen fernab vom Konsumterror gibt es hier ein paar ganz schöne Anregungen.
4 Comments
Auch dieser Beitrag spricht mir aus der Seele. Die Idee Weihnachten zu verlegen oder zumindest eine Aktion zu machen, fände ich richtig gut. Da es ja immer wieder Wissenschaftler gibt die ausgehen das Weihnachten wohl doch im Sommer war, und nur aufgrund Konzilien dann auf den 24. gelegt wurde.
Und wegen Slogan, fiel mir spontan folgender ein:
Seine Revolution begann vor ca. 2000 Jahren und geht seitdem jeden Tag weiter. (Be a part of it)
Dann will ich mal sehen wie wir Weihnachten verlegen wollen.
Mein Statement dazu ist:
Soll Weihnachten ruhig da bleiben wo es ist. Es kommt ja doch vor das in manchen Kreisen zwei Dinge im Mittelpunkt stehen
1. der Geschenke-Konsum und
2. die Geburt Christi.
OK, natürlich sollte das zu letzt genannte Nummer 1. sein und auch alleine stehen aber immerhin. Beschenkt werden ist doch toll auch verschenken ist toll. Warum sollte man dieses Ritual auslassen?
Und ehrlich aus diesem Weihnachts-Geschenke-Werbungs-Konsum-Trott kommen wir eh nicht mehr raus. :D
Aber primär sollte der Missionsbefehl sein. Wir sollen raus in die Welt gehen und Gottes Volk aufbauen. Da bringt es nicht wenn wir uns darüber den Kopf zerbrechen warum die “Ungläubigen” nichts tieferes in Weihnachten sehen als den Konsum.
DAS ZIEL SOLLTE SEIN:
Wir beschenken uns weil Jesus geboren wurde und dies ein Grund zur Freude ist. Also; die Intention des Schenkens muss sich ändern, dann würde an Weihnachten auch nicht so viel Stress auf einem ruhen.
P.S.: Naja meine Meinung wisst ihr ja :D aber ich denke viele könnten sich meiner Meinung anschließen.
P.P.S: Weihnachten in meiner (christlichen) Familie läuft toll ab. Ich hätte kein Problem auf die Geschenke zu verzichten. Nur beim Essen wird schwer :P Beim Essen allerdings kommuniziert man an meisten mit der Familie. Und ich Stell mal die Behauptung auf Jesus hat auch gerne gegessen. Und nen guten Wein weiß er auch zu schätzen.
In diesem Gedanken wünsch ich euch frohe Weihnachten. Und die Geschenke die ihr euch wünscht ;) Denkt aber dran ohne Jesus hättet ihr das aber wahrscheinlich nicht bekommen :D
Danke für diese Gedanken. Ich teile insbesondere die Einschätzung, dass wir anderes zu tun haben, als immer nur neue Unternehmen zu suchen, die wir boykottieren können.
Was mich stört, ist nur die gute alte Dichtomie zwischen geschichtlichem Ereignis der Geburt Jesu und seinem “Geboren-Werden in unseren Herzen”. Beides ist aus meiner Sicht nicht gegeneinander auszuspielen. Gerade weil Gott sich ENTSCHIEDEN hat, ganz konkret in der Geschichte (nämlich vor rund 2000 Jahren in Judäa) Mensch zu werden – damals in der Krippe – deshalb können wir heute von Weihnachten her leben (nicht nur im Dezember).
Insofern ist mir die fromme Rede von der Herzensfrömmigkeit, die auf die Erzählung von (ewig gestriger) Geschichte verzichten kann, auch nicht viel lieber als der Gegenclaim “Weihnachten wird in der Krippe entschieden”. Wenn es darum geht, die Erzählung so zu erzählen, dass sie von falscher Beschaulichkeit befreit, von der Gnade Gottes erzählt, die sich tatsächlich damals gezeigt hat, aber bis in unser Leben hinein wirkt, dann bin ich wieder ganz dabei.
Vielen Dank für das Feedback! Wichtige Gedanken.
In der Tat könnte man noch viel zum Thema Weihnachten, und wie das reale Kommen Gottes auf diese Welt gebührend gefeiert und gedacht werden könnte, schreiben. Mir ging es auch gar nicht darum, zu sagen, wir sollten nicht auf dieses weltbewegende Ereignis zurückblicken. Aber zum einen bekommt dieses Gedenken schon sehr viel Aufmerksamkeit und und zum anderen ist der Rückblick nicht immer gebührend: ich stimme komplett überein, diese falsche Beschaulichkeit (holder Knabe mit lockigem Haar… etc. pp), die geht leider gar nicht.